DIE SAUER

Die Sauer

Die Sauer, zweitwichtigster Fluss Luxemburgs entspringt in den belgischen Ardennen bei Vaux-les-Rosières auf einer Höhe von 510 m ü.M. 206 Kilometer lang, verläuft sie zunächst nach Südosten bevor sie bei der Grenzmarke N°167 ins Grossherzogtum Luxemburg eintritt. An der Brücke « Misärsbréck » wird der Lauf der Sauer von der Staumauer in Esch/Sauer gebremst. Nachdem die Sauer den « künstlichen See » durchquert hat, fliesst sie durch das malerische Dorf Esch/Sauer, dann Richtung « Nordstadt », gebildet hauptsächlich von den Städten Ettelbrück und Diekirch. Ab Reisdorf bildet die Sauer die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Der Fluss findet seinen Weg dann zur Abteistadt Echternach bevor er in Wasserbillig in die Mosel mündet auf einer Höhe von 132 m.

Datum : 03, 04, 05, 06 et 07 November 2015

Länge : 206 Kilometer

Quellhöhe : 510 m        49°55'5'' N      5°30'53'' O

Quelle : Vaux-sur-Sûre (B)

Mündungshöhe : 132 m

Mündung :  Wasserbillig   49°42'48''N    6°30'24'' O

Länder : Belgien, Luxemburg, Deutschland

03 November 2015

Von der Quelle nach Martelingen (Martelange) (B)

Danke an meinen Sohn Yann der mich an die Quelle fährt. Als wir zuhause starten ist dichter Nebel der sich aber mehr und mehr verflüchtigt und als wir an der Quelle ankommen scheint die Sonne. Die Quelle der Sauer liegt auf 510 m ü.M. in einer bewaldeten Gegend nahe dem Bauernhof « Blanchipont » am Rande der Gemeinden Libramont-Chevigny und Vaux-sur-Sûre in den belgischen Ardennen der Provinz Luxemburg. Die Quelle wird gebildet durch einen kleinen Teich von dem en stiller Forstweg weg führt, und alle Bäume tragen stolz ihr herbstliches Farbenkleid. Fern am Waldrand bilden sich Nebelbänke und man glaubt sich in einer Geisterlandschaft. Erstes Dorf ist Vaux-sur-Sûre. Hier ist die Sauer noch ein kleines Bächlein und fliesst an einer grossen, lärmenden Sägerei entlang. Ein mit Baumstämmen geladener LKW steht etwas im Weg entlang des Flusses und ich kann nur sehr schwer vorbei. Am Ende des Dorfes fliesst die Sauer unter der Autobahn A 26 hindurch in Richtung Sûre, ein malerisches ruhiges Dörfchen. Die verkehrsarme Strasse führt weiter durch eine wunderschöne Landschaft, grüne Wiesen, Felder und Wälder und mehrere Male atemberaubende Panoramaaussichten. Nächste Dörfer sind Menufontaine und Hotte, sie befinden sich nicht direkt am Ufer der Sauer, aber mangels geeigneten Wegen muss ich hier lang. In Strainchamps hat die Sauer bereits flusswürdige Dimensionen angenommen und verschwindet jetzt während etwa 3 km im Wald. Der Weg ist nun eine Fahrradpiste auf einer ehemaligen Eisenbahnlinie und schlecht unterhalten. Auf der Höhe von Bodange verlässt die Sauer den Schutz des Waldes und ich wandere weiter auf dieser Fahrradpiste nach Wisembach, dann Radelange. Genau vor Martelange spannt sich eine ganz neue Brücke aus Holz des Typs « Bowstring » über die Sauer, eine sehr schöne Konstruktion. Martelange ist nicht wirklich eine Stadt, aber alle Geschäfte sind präsent. Der Ort ist ziemlich bekannt, denn er befindet sich auf halbem Wege zwischen den Städten Bastogne und Arlon und die Hauptstrasse bildet die Grenze zu Luxemburg, daher auch die zahlreichen und gut besuchten Benzinstationen auf Luxemburger Seite. Sein Schiefermuseum erinnert an längst vergangenen Wohlstand des Tales. Aber auch ein schreckliches Ereignis bleibt in Erinnerung der Menschen : am 21ten August 1967, verpasst ein mit 47.000 Litern Flüssiggas gefüllter LKW auf der stark abschüssigen Strasse die Kurve und explodiert im Zentrum von Martelange explodiert. Bilanz, 22 Tote, 47 Verletzte, auch heute noch sieht man vereinzelt verlassene Häuserruinen auf belgischer Seite. Martelange ist mein heutiges Etappenziel und mangels Hotelzimmern holt mich meine Allerliebste ab.

04 November 2015

Von Martelange (B) nach Esch-sur-Sûre (Esch/Sauer (L)

Ich verlasse Belgien und trete ins Grossherzogtum ein. Nach ungefähr einem Kilometer biege ich nach links in einen Grasweg ab, den « sentier des fraudeurs », zu deutsch « Schmugglerpfad ». Der ausgewählte Weg wird zunehmend schlammig, rutschig, richtig versaut. Sträucher und umgefallene Bäume versperren den Weg und zwar so dass ich gezwungen bin Kehrt zu machen um dann die verkehrsarme Strasse ohne Hindernisse zu nehmen. Ich muss also auf einen sicher sehr schönen Teil des Grenzflusses verzichten, was ich überhaupt nicht schätze. Etwas weiter, an der Brücke « Pont Misère »nehme ich wieder Kontakt zur Sauer auf. Alles ändert sich jetzt, wunderschöne Landschaften entschädigen mich grosszügig für die entgangenen Freuden am Tagesanfang. Konkret, ab jetzt ist die Sauer nicht mehr bloss die Sauer, sondern verbreitert sich dank einer Staumauer zu einem See, einem Stausee, dem « See der oberen Sauer ». Dieser See, natürlich und künstlich zugleich, wird im Sommer zu einem Touristenmagneten, aber auch die Luxemburger selbst erfreuen sich seines klaren Wassers und profitieren von seinen bewaldeten Ufern. Heute bin ich der einzige Tourist, zumindest denke ich das. Fast 50 km2 « See » bewundere ich jetzt von ganz oben, von den Hügeln mit üppiger und trotz der späten Jahreszeit noch duftenden Vegetation. Man kann den See auf Wanderwegen umrunden, aber aufgepasst ! Es gibt teilweise sehr schwierige, gar gefährliche Passagen, festes Schuhwerk sollte sein und eine gute Ausdauer sollte man mitbringen. Steile Aufstiege und genau so steile Abstiege sind Programm. Jedenfalls in dieser Herbstsaison kann der Boden rutschig sein und die Baumwurzeln sind gut versteckt unter den zu Boden gefallenen Blättern. Keinem einzigen Dorf begegne ich ausser am Ende meines Weges. Ich sehe auch keine Tiere, wahrscheinlich weil ich zu viel Krach mache beim Zertreten der toten Blätter. Kiefern und Laubbäume bilden dichte Wälder in denen absolute Ruhe herrscht. Ein Tag ohne lärmende Autos, wie angenehm ! Der Stausee liefert auch das Trinkwasser für fast 70% der luxemburgischen Bevölkerung. Er wurde Ende der fünfziger Jahre gebaut und ich bin stolz darauf, einen Onkel gehabt zu haben der als Mechaniker für die grossen Maschinen am Bau beteiligt war. Ein letzter steiler Abstieg zum Seeufer wo mich eine weitere Attraktion erwartet. Eine schwimmende Brücke verbindet beide Ufer miteinander, d.h. die Dörfer Liefrange und Lultzhausen wo es eine gigantische moderne Jugendherberge gibt. Während den letzten 5 Kilometern wandere ich am rechten Ufer entlang bis zu meinem heutigen Etappenziel Esch/Sauer. Ein malerisches Dorf das nicht nur wegen des Stausees bekannt ist sondern auch wegen den Überresten des Burgschlosses aus dem 8ten Jahrhundert hoch über dem kleinen Dorf mit seinen engen gepflasterten Strassen. Schnell ins Hotel nach einer langen und schwierigen Etappe.

05 November 2015

Von Esch/Sauer nach Diekirch

Ich lasse den Stausee hinter mir und die Sauer wird wieder zu dem was sie war, einfach nur ein Fluss. Zuerst fliesst sie langsam zwischen zwei, ich nenne sie mal Wasserregulierungsbrücken um anschliessend ohne weitere Hindernisse etwas an Geschwindigkeit zu zu legen. Ich verlasse Esch/Sauer, dieses malerische Dorf nicht gerne, es ist wirklich einen Umweg wert. Ein schöner Spazierweg führt mich zum Dorf hinaus und es beginnt ein Grasweg bis nach Heiderscheidergrund wo genau über der Sauerbrücke eine Baustelle ist. Der Verkehr ist durch 2 Ampeln geregelt und ich laufe zwischen 2 Rotphasen schnellstens über die Brücke, eigentlich sehr gefährlich. Auf der anderen Seite angekommen merke ich erst dass es eine andere, ungefährliche Lösung für die Fussgänger gibt. Na ja, jetzt ist es zu spät, ich habe mich ja bereits blamiert. Heiderscheidergrund besitzt einen schön angelegten Campingplatz am Ufer der Sauer, eine hübsche Holzbrücke und etwas höher gelegen eine achteckige Kapelle. Einzigartig in ihrer Art, sie ist der Heiligen Kunigunde gewidmet und wurde 1849 erbaut. Den Campingplatz hinter mir lassend wandere ich weiter auf der N27, eine ganz neu geteerten Strasse. Während einer Stunde kein Auto, das gibt es noch, nur ein Fahrradfahrer und ein Dienstfahrzeug der Gemeinde. Die Sauer die ganz unten im Tal fliesst immer im Blickfeld zwischen Bäumen, schickt mir ständig reflektierende Sonnenstrahlen entgegen. Was für ein Paradies ! An der Mühle « Toodlermillen » genannt ist die Strasse nach Goebelsmühle gesperrt, man müsste eine Umleitung nehmen. Ich wähle einen Forstweg aus der mir auf den ersten Blick kürzer erscheint als die Umleitung für die Autos. Ein sehr steiler Aufstieg bis zum Dorf Ringel, von dessen Existenz ich bisher nichts wusste. Wie immer nach einem Aufstieg gehts auch wieder runter, aber diesmal ist der Abstieg besonders steil und gefährlich dazu. Bei meiner Ankunft unten in Dirbach stelle ich fest dass diese Baustelle immer noch vor mir ist. Der ganze halsbrecheriche Umweg war also umsonst. Was tun ? Aufgeregt und verärgert frage ich einen Verantwortlichen um Erlaubnis trotz Baustelle passieren zu dürfen. Dieser freundliche Herr sagt zu mir : « Sie kommen genau richtig, es ist Mittag und die Maschinen machen jetzt Pause ». Die Strassenbauverwaltung unternimmt hier eine riesige Baumfällaktion, beziehungsweise Massaker mit grossen, lärmenden Maschinen. Ich wandere also auf der gesperrten Strasse weiter, also auch ohne Autos, Richtung Goebelsmühle. Genau vor Goebelsmühle mündet die Wiltz, ein linker Nebenfluss in die Sauer. Ich bleibe auf der N27 die nach Lipperscheid ansteigt und dann abwärts nach Michelau führt. Die Sonne scheint noch immer bei einer Temperatur um 16 Grad, leicht erhöht für einen Monat November. In Erpeldingen ändert sich die Landschaft radikal. Die geografische Region « Ösling » (die Ardennen) hört hier auf und die Region « Gutland » fängt hier an. Es gibt sogar ein Strassenschild das darauf hinweist. Aber mit dem bevölkerungsreicheren Süden kommen auch die PKW's wieder. In der Gegend der Städte Ettelbrück und Diekirch herrscht reger Verkehr. Ich habe Eile Ettelbrück schnellstens zu verlassen und eine Fahrradpiste kommt gerade recht um meine heutige Etappe zu beenden. Aber zuerst wandere ich noch auf dieser Radpiste « Mittlere Sauer » genannt, durch das schöne Dorf Ingeldorf bevor ich mein Hotel in Diekirch erreiche. Diekirch ist Distrikthauptstadt und bekannt wegen seiner Bierbrauerei mit demselben Namen. Die Stadt ist ausserdem Garnisonstadt und beherbergt auf dem « Herrenberg » die Kasernen der luxemburgischen Armee. Touristenstadt, Militärstadt, Studentenstadt und warum nicht Sportstadt.

                                                        Die Basilika Sankt-Willibrord in Echternach

06 November 2015

Von Diekirch nach Echternach

Es regnet, ich lege meine gelbe Regenjacke an und meine funkelnagelneue Kopfbedeckung, eine echte Baskenmütze, erst jüngst im Baskenland in der wunderschönen Stadt Saint-Jean-de-Luz (Donibane Lohizune für die Eingeweihten) erworben. Eine einfache Etappe heute, aber recht eintönig. Der Weg verläuft gänzlich auf der Fahrradpiste, es geht weder rauf noch runter, platt wie die Niederlande, genau das Gegenteil der vorherigen Tage. Ausserdem kenne ich diesen Teil meines Landes sehr gut, die Piste folgt in grossen Teilen dem luxemburgischen Jakobsweg, den ich vor einigen Jahren gegangen bin.

Beim Verlassen der schönen Stadt Diekirch bemerke ich, dass es sehr viele Enten, Reiher, Gänse und anderes Geflügel am Wasser gibt. Gilsdorf liegt nicht unmittelbar an den Ufern der Sauer. An ihrem linken Ufer empfängt die Sauer jetzt die kleine Blees, ein Fluss der aus Norden kommt. Dann kommen die Dörfer Bettendorf, Moestroff und Reisdorf wo ich mir in einem kleinen Laden einen Imbiss für die Mittagspause besorge. Am rechten Ufer kommt die Weisse Ernz und lässt die Sauer noch weiter anwachsen. Genau vor Wallendorf-Brücke, am linken Ufer gesellt sich die Our hinzu, drittgrösster oder drittwichtigster Fluss Luxemburgs. Leider kann ich dieser Vereinigung der beiden Flüsse nicht beiwohnen, die Vegetation rund um die Mündung ist zu üppig. Ab jetzt bildet die Sauer die deutsch-luxemburgische Grenze bis nach Wasserbillig wo die Sauer in die Mosel mündet. Aber bevor es soweit ist, mündet noch die Schwarze Ernz in die Sauer, und zwar in Grundhof. Es ist Mittag und ich mache Pause gegenüber von Bollendorf (D). Ich zieh meine Weste aus,denn es sind fast 20 Grad, zu warm für November. Dann wandere ich weiter bis Weilerbach wo eine sehr schöne überdachte Holzbrücke beide Ufer miteinander verbindet. Hier wurde auch ein Gedenkstein errichtet um die Wanderer darüber zu informieren dass es noch 2.431 Kilometer bis Santiago de Compostella sind. Ein Klax für den geübten Wanderer, etwa 2 Monate. So, noch etwas anstrengen bis zur Abteistadt Echternach. Die Stadt mit ungefähr 5.300 Einwohnern ist hauptsächlich bekannt für seine Springprozession an Pfingstdienstag. Auf gar keinen Fall sollte man es versäumen die Basilika Sankt Willibrord aus dem 11ten Jahrhundert zu besuchen. Wie der Zufall es so will, ist heute die allererste Pilgermesse für dieses Jahr. Wie fast überall, ist es verboten Fotos während der Messe zu schiessen.

07 November 2015

Von Echternach nach Wasserbillig

Viertel vor neun ist Start für die letzte Etappe. Es hat aufgehört zu regnen und es sind bereits 18 Grad. Ich denke mal das wird wohl ein neuer Rekord sein für einen Monat November, noch nie dagewesen. Wie gestern schon folge ich weiter der Radpiste die sehr wenig befahren wird, ich glaube die Radfahrer mögen die Strasse lieber. Das erste Dorf heute ist Steinheim. Ausser der Sauer gibt es hier kaum etwas zu sehen. Von weitem höre ich noch die festlich jubilierenden Glockenspiele der Echternacher Basilika, immerhin schon 4 Kilometer hinter mir liegend. Es ist jetzt die Zeit des Pilgerns zum Heiligen Willibrord. Ich laufe weiter nach Rosport, einer Ortschaft, bekannt im ganzen Land und darüber hinaus wegen ihrer Wasserquellen. Weiter geht es durch den Rosporter Park, am Campingplatz vorbei. Die Distanz von 57 Kilometer zwischen Perlé im Westen des Landes und Rosport ist die grösstmögliche Breite in Luxemburg auf seiner West-Ostaxe. Der Fluss nimmt jetzt an Geschwindigkeit zu und windet sich weiter in Richtung der Ortschaften Hinkel, Born und Moersdorf. Die Radpiste erscheint mir langweilig und meine Füsse fangen an gegen den harten Asphalt zu rebellieren. Wie ich den schönen Waldwegen nachtrauere mit ihren weichen Böden. Glücklicherweise sind es nur noch 5 Kilometer bis nach Wasserbillig. Am linken, deutschen Ufer liegt noch das sehr schöne Dorf Langsur(D). Hier gibt es auch jetzt an beiden Ufern Weinberge, die einzigen an der Sauer. Sie tragen dazu bei die Landschaft zwischen Langsur und Wasserbillig etwas zu bereichern. Nun fängt die Sauerpromenade an, die nach 2 Kilometern in Wasserbillig endet. Zwei Brücken, eine Strassen- und eine Eisenbahnbrücke überspannen die Sauer genau an der Mündung in die Mosel. Wie bestellt, legt die « Calypso », ein Ausflugsschiff genau in diesem Moment am Moselquai an und entlädt seine touristische Ladung. Ein schönes Spektakel würdigt also den Zusammenfluss der zwei wichtigsten und grössten Flüssen Luxemburgs, es ist auch ein schöner Abschluss für mich, ich kann jetzt behaupten, alle luxemburgischen Flüsse zu Fuss von ihren jeweiligen Quellen bis zu ihren Mündungen abgegangen zu sein.