DIE SEMOIS

Die Semois

Die Semois ist ein rechter Nebenfluss der  Maas. Sie entspringt in Arlon in der Provinz Luxemburg (B) auf einer Höhe von 410 Meter und durchquert die Regionen Gaume und Ardennen.

Auf ihrem Weg fliesst die Semois durch die Städte Florenville und Bouillon bevor sie auf der Höhe von Monthermé (F) im französischen Département Ardennes (08) in die Maas mündet.

Die Mündung in die Maas ist Luftlinie nur 80 Kilometer von der Quelle entfernt, aber wegen ihrer zahlreichen Schleifen totalisiert die Semois 210 km, wovon nur 10 in Frankreich.

Datum : 06 August - 12 August 2016

Länge : 210 Kilometer

Quellhöhe : 397 m

Quelle : Arlon (B) rue Sonnetty 49°40'54.47"N 5°49'13.18"O

Mündungshöhe : 141 m

Mündung : Monthermé (F) 49°52'50''N 4°44'18''O

Länder : Belgien, Frankreich


06 August 2016

Von Arlon nach Etalle (27 km)

Es hat geregnet in der Nacht und früh morgens umhüllt michein herbstlicher Nebel. Es dauert jedoch nicht lange bis die Sonne sich durchsetzt. Die Quelle der Semois ist hübsch angelegt an einem Wasserbecken mit einer Skulptur. Einige Schilder mit Erklärungen zur Geschichte der Stadt Arlon und über den Verlauf des Flusses sind an der Quelle postiert. Die Semois geht sofort in den « Untergrund », fliesst südwestlich an den Römischen Thermen und einem uralten Friedhof vorbei. Arlon ist Hauptstadt der belgischen Proviz Luxemburg und auch grösste Stadt mit 29.000 Einwohnern. Arlon ist auch älteste Stadt Belgiens, gleichermassen mit Tournai und Tongres.

Nachdem ich die Bahngleise überquert habe, erscheint die Semois zum ersten Mal an der Oberfläche. Ein hübscher Weg schlängelt während einigen hundert Metern neben der Semois durch ein relativ modernes Viertel von Arlon. Dann verschwindet der Fluss abermals im Untergrund und fliesst etwa 200 Meter durch das Ausstellungsgelände. Die Semois fliesst nun während einem Kilometer nordwärts nach Viville wo sie sich dann definitiv nach Westen orientiert. Es ist schwierig, Flüssen auf ihrer gesamten Länge zu folgen und dazu noch auf einem angelegten Weg von Anfang bis Ende. Oft muss man beträchliche Umwege in Kauf nehmen um dann später wieder an den Fluss zurückzukehren. Ausserdem sind es oft Privatwege oder Wiesen und Felder die sich am Anfang eines Flusses befinden. Freylange ist nächstes Dorf. In Stockem, bekannt für seinen Verschiebebahnhof, nehme ich einen wegen einer Baustelle eigentlich verbotenen Weg. Der Weg verläuft an der Semois entlang ohne dass ich sie sehe, das Gestrüpp ist zu dicht gewachsen. Dann kommen die Dörfer Heinsch und Fouches. Von jetzt an kann man den Fluss allerdings immer öfter bewundern, obwohl es sich immer noch nur um einen winzigen Bach handelt. Ich möchte bemerken, dass es tatsächlich bereits sehr viele Fische gibt, was für die Qualität des Wassers spricht. In Sampont, einem friedlichen Dorf, mache ich Mittagspause auf einem Friedhof neben der Kirche, auf einem 1 Meter hohen Grab ohne Aufschrift. Nun muss ich über die N 83, eine breite Hauptstrasse bis nach Vance, was aber nicht weiter schlimm ist, denn zu beiden Seiten der Strasse gibt es Fahrradpisten, allerdings für einen Wanderer stinklangweilig. Eine überflüssige Ausdauerübung, die aber leider notwendig ist um nach Etalle zu gelangen. Der immer noch kleine Fluss ist allgegenwärtig, man kriegt ihn aber kaum zu Gesicht. Etwa 2 Kilometer hinter Vance, biege ich ab nach Sivry, eigentlich bereits ein Teil von Etalle, denn es gibt keinen Freiraum mehr zwischen beiden Dörfern. Etalle, grosses Dorf, oder kleine Stadt, schwer zu sagen. Sicher ist aber, dass diese Etappe die einzig mögliche für heute ist. Eine imposante Kirche mit einem schönen Brunnen auf dem Vorplatz, ist eigentlich schon alles. Der Zufall will es dass heute das Fest des Schafes gefeiert wird und das hört man von weitem. Die Musik ist so laut dass ich mir die Ohren zuhalte. Mein Hotel " La Chrysalide" befindet sich, wie könnte es auch anders sein, gleich neben den Festivitäten, also dann, gute Nacht ! Chrysalide ist ein Kokon für Raupen. In diesem zwar sehr einfachen Hotel kann man jedoch sehr lecker und viel essen.

07 August 2016

Von Etalle nach Izel (24 km)

Die Sonne strahlt von einem makellosen Himmel, als ich mein Hotel verlasse, und es ist bereits warm um 9 Uhr heute morgens. Es ist Sonntag und alles ist geschlossen, ausser einem Supermarkt am Ausgang von Etalle. Ich kaufe mir 2 Äpfel und weiter geht die Reise. Es gibt immer noch keinen Weg neben der Semois, so wandere ich wie gestern, von Dorf zu Dorf. In Sainte-Marie auf der N 83, biege ich nach Villers-sur-Semois ab, eine Strasse fast ohne Verkehr und teilweise im Schatten der Wälder. Bis nach Tintigny habe ich 2 mal die Gelegenheit den Fluss zu überqueren. Endlich nimmt die Semois flusswürdige Ausmasse an. Ich ziehe weiter nach Breuvanne und dann nach einer leicht ansteigenden Strasse erblicke ich zum ersten mal die Mäander des Flusses. Das ist sehr schön, besonders da die Sonne die Oberfläche des klaren Wassers strahlen lässt. Die Semois totalisiert etwas mehr als 210 Kilometer Länge, aber Fluglinie knapp 80 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung in die Maas. Diese gewaltige Differenz ist bedingt durch die Mäander. Nächstes Dorf ist Termes, dann Les Bulles, etwas vor Jamoigne. Es geht aufwärts bis zur Kirche von Jamoigne, die man von weitem sieht. Der Kraftakt ist umsonst, denn oben angekommen ist die Aussicht...null und obendrein ist die Kirche auch noch zu. Etwas später werde ich aber dafür entschädigt, mit dem fantastischen, neugotischen « Château du Faing », dessen Name von den Herren von Jamoigne herrührt. Heutzutage ist die Stadt Chiny Besitzer des Schlosses und hat ihre verschiedenen Dienste hier installiert. Vom Schloss weg führt zum ersten Mal ein Weg, der « Sentier de la Semois », der mich geradewegs zu meinem Ziel von heute führt, nach Izel. 

08 August 2016

Von Izel nach Lacuisine (20 km)

Ein reichhaltiges Frühstück, nichts fehlte, gefühlt war ich in Österreich. Alle denkbaren Sorten Marmelade, Wurstprodukte, Käse, Eier mit Speck, und andere Leckerbissen und ich bin einziger Kunde. Ich starte gegen 08 :45 Uhr, es ist weniger warm als gestern. Die ersten 6 Kilometer bis Chiny trabe ich auf einer verkehrsarmen Strasse. Ich begrüsse einige neugierige Kühe, ich spreche immer zu den Tieren auf meinen langen, einsamen Wanderungen. Die kleine Stadt Chiny gleicht eher einem Dorf, kein Mensch auf den Strassen, keine Geschäfte oder geöffnetes Bistrot, es ist Montag. Eine Kirche, aussen schöner als innen. Eine sehr schöne Touristeninformationsstelle, leider fehlen die Touristen und das Büro ist auch nicht besetzt. Man darf sich allerdings mit Prospekten und Faltblättern der Region frei bedienen. Das gleiche Schauspiel an der Semois, Kayaks die auf Kunden, die nicht kommen warten. Nur ein älteres Paar will es versuchen. Anscheinend ist das auch nicht so einfach wie es aussieht. Das erste Hindernis stellt bereits ein Problem dar und das Paar braucht einige Minuten um sich aus dieser delikaten Situation zu befreien. Nahe einer Brücke beginnt der Waldweg, der zuerst entlang des Flusses führt, dann sich etwas entfernt und ansteigt zu verschiedenen Aussichtspunkten. Später verirre ich mich und laufe 3 oder 4 Kilometer umsonst. Ein Weg, « Altes Mäander » genannt, führt mich ins Leere und ich stelle fest dass die Beschilderung fehlt. Zurück auf Los ! Fangen wir nochmal von vorn an. Ich begegne keiner Menschenseele auf meinem Weg. Dagegen, auf dem Fluss selbst, von Zeit zu Zeit ein Kanu, alles in allem vielleicht ein halbes Dutzend. Mein Etappenziel ist Lacuisine und mein Hotel liegt direkt am Ufer der Semois. Ich weiss die wunderbare Sicht auf den Fluss zu schätzen die ich aus dem Zimmerfenster habe. Was will ich mehr ? Nachteil, das Hotel hat keine Küche. Was nicht weiter schlimm ist, es gibt ein Restaurant 400 m von hier. Wenn ich richtig verstanden habe, hat mein Hotel dieses Restaurant vor kurzem übernommen. Eine schöne und angenehme Überraschung würde ich sagen. Das Restaurant praktiziert eine interressante Formel. Menü, Getränke, Wein, so viel man will, Kaffee, alles zusammen für 17,50 €, ja, sowas gibt es noch. Und damit ihnen das Wasser im Munde zusammen läuft, hier das Menü : pain de viande gaumais (Fleischpastete), consommé de poularde fermière (Poulardenbrühe), jarret de veau (Kalbshaxe) geköchelt, begleitet von hausgemachten Tagliatelle und dann noch ein Stück normannische Torte mit Karamellcrème. Darüber hinaus kommt der Wirt an alle Tische um die Gäste zu grüssen, ohne auch nur einen Gast zu vernachlässigen, er nimmt sich viel Zeit, es sind immerhin mehr als 30 Gäste. Sein Trumpf ist ein Einheitsmenü für alle. Als ich heimgehe, regnet es.

                                                                                       Chassepierre


09 August 2016

Von Lacuisine nach Herbeumont (23 km)

Entgegen den Wettervorhersagen ist das Wetter schön, vielleicht etwas weniger warm. Ich verlasse Lacuisine durch das Innere einer Schleife nach Martué. Von weitem sieht man unter einem strahlend blauen Himmel die Silhouette von Florenville. Martué ist ein hübsches Dorf direkt am Ufer der Semois und tut alles um zu gefallen. Das trifft auch auf Laiche, das nächste Dorf zu. Eine relativ neue Brücke überspannt den Fluss und Schwäne mit ihrer Brut haben auf einem Inselchen in der Semois ihr Nest gebaut. Hier kann sie kein Mensch stören, gar nicht so dumm diese Tiere. Ich muss aber weiter, Chassepierre mit seiner wundervoll gelegenen Kirche wartet auf mich. Sie ist auf dem höchsten Punkt des Dorfes gebaut und Neugier macht sich breit, schon wenn man sie von weitem erblickt. Aus dem Grund lege ich auch eine kleine Pause noch vor der Ankunft ein, nur um diesen Ausblick länger geniessen zu können. Chassepierre ist ein Dorf das sich der Strassenkunst widmet und als solches organisiert man hier ein Festival vor einer grandiosen Kulisse direkt am Ufer der Semois. Eine dunkle Wolke über mir lässt ein paar Tropfen fallen, nicht mal genug um die Brille zu putzen. Weiter geht es nach Sainte-Cécile, auch hier ist die Kirche Hauptattraktion und gleich nebenan ein zentraler Dorfplatz mit Terrasse, wo ich (schon wieder) gerne etwas getrunken hätte, war leider geschlossen, zumindest in diesem Moment. Nach einer langen und stetig ansteigenden Strasse lande ich endlich auf einem wunderschönen Waldweg der mich an zwei aussergewöhnliche Aussichtspunkte auf die Semois führt. Schade nur dass man die Schleifen nicht ganz sehen kann, die Vegetation ist zu hoch gewachsen. Erika spriesst hier überall. Jetzt folgt ein etwas delikater Weg, sehr schwierig stellenweise, man muss sich mit beiden Händen an jeder Wurzel festhalten, an jedem Stein, steil abwärts. Ganz ehrlich, hier sehe ich keine Familie mit Kindern wandern. Nirgendwo weist ein Schild darauf hin und dennoch handelt es sich hier um den berühmten GR 16. Diejenigen die sich das nicht zutrauen müssen Kehrt machen und nach einer anderen Lösung suchen. Eine ärgerliche, gefährliche Situation, die ich gottseidank meistere. Fairerweise muss man sagen dass es sich nur um etwa 100 m handelt, und doch. Unten angekommen, auf Höhe der Semois, geht der GR 16 auf angenehme Weise weiter, immer in Nähe des Flusses während einigen Kilometern. Noch vor Conques gilt es einen erneuten steilen Anstieg durch den Wald zu bewältigen bevor es auf einer Strasse mit LKW-Verkehr weiter geht bis nach Herbeumont, meinem heutigen Ziel. Nach der wohltuenden Dusche finde ich noch genug Zeit die Burgruinen zu besuchen, von denen aus man eine uneingeschränkte Sicht auf die Semois hat.

10 August 2016

Von Herbeumont nach Bouillon (27 km)

Ein verspätetes Frühstück um 08:30 und ich mache mich auf den Weg nach Bouillon. Es ist kälter als gestern, jedoch eine Weste brauche ich nicht. Ein schöner Abstieg in Mortehan um an die Semois zu gelangen, eine Kapelle und eine blumengeschmückte Brücke. Jeder Passant kann hier seinen Namen hinterlassen und das Datum seines Durchgangs, also sage auch ich nicht nein. Ich laufe an einem sehr alten Friedhof am Semoisufer entlang, eine grosse Wiese mit Pferden. Am gegenüberliegenden Ufer eine alte Mühle mit ihrem immer noch funktionierenden Wasserrad, eine herrliche Kulisse für gestandene Maler und Fotographen. Von nun an muss ich eine ständig ansteigende Strasse, fast ohne Verkehr nutzen. Gut 4 Kilometer führen mich an einen Aussichtspunkt von dem aus man eine herrliche Sicht auf die Semois hat, danach gehts wieder abwärtsbis nach Dohan. Jetzt steht man vor der Wahl, entweder die Nordvariante oder aber die Südvariante bis nach Bouillon. Ich entscheide mich für die Südvariante weil es hier weniger Autos gibt. Folgt noch eine stark ansteigende Strasse und um die Mittagsstunde herum fängt es zu regnen an. Bald biege ich nach rechts in einen steinigen Weg ein, schwierig zu laufen und willkommen ihr Blasen ! Ich werde jedoch für die Mühe belohnt, der Weg ist von einer seltenen Schönheit geprägt und führt durch den stillen Wald. Etwa 3 Kilometer vor Bouillon höre ich plötzlich Autogeräusche, absolut störend in dieser geräuschlosen Umgebung. Ein junger Mann mit seinem Kleinwagen, immatrikuliert in Frankreich, bittet mich um Hilfe, er hat sich total verirrt ohne Navigationshilfe. Ich frage mich wie er es überhaupt fertig gebracht hat diesen Waldweg zu befahren. Ich zeige ihm auf meinem GPS den Weg und schlage ihm vor weiter geradeaus zu fahren, er komme automatisch nach Bouillon, zurück in die Zivilisation. Später stelle ich fest dass der Weg sich noch schlimmer entwickelt und ich frage mich wie der junge Mann es wohl fertig gebracht hat all diese badewannengrossen Löcher zu umfahren. Auf jeden Fall ist er nicht mehr zurückgekommen. Es regnet heftig als ich in Bouillon ankomme, ich gehe sofort in mein Hotel. Die Frage ob ich das Schloss besuche, stellt sich nicht bei dem Wetter. Viele Tretboote warten am Kai der Semois auf Kunden aber nur wenige gehen das Abenteuer ein, normal bei dem Regen. Ich finde sowieso dass es für einen Monat August nur wenige Touristen gibt. Bei den Kanuvermietungen ist auch niemand. Ich denke, es ist nicht nur kein Sommer wie wir ihn kennen, die Leute haben auch ihre Gewohnheiten geändert und es ist ganz sicher viel weniger Geld in Umlauf.

                                                                         Vresse-sur-Semois


11 August 2016

Von Bouillon nach Vresse-sur-Semois (26 km)

Das Schloss von Bouillon wiegt sich im Nebel, genau wie die Wälder die Schloss und Stadt umgeben. Es sind nur 6 Grad heute morgen, aussergewöhnlich für August. Die Glocken im Kirchturm spielen mir die Ode an die Freude, so als wollten sie auf Wiedersehen sagen und mir einen schönen Weg wünschen. Angler sind schon an den Ufern und hoffen auf einen guten Fang. Die Altstadt von Bouillon liegt in einer Schleife, total umzingelt von der Semois. Um also aus der Stadt rauszukommen muss man einen Grossteil von ihr umgehen. Die schön angelegte Promenade verwandelt sich bald in einen Waldweg bis zum grossen Campingplatz Haliru, der erstaunlicherweise komplett besetzt ist. Hier steigt der Weg an und endet auf einer Anhöhe an der Strasse N 810, wo ich weiterwandere bis nach Corbion. Hübsches kleines Dorf mit einem kleinen Supermarkt in dem ich mir meinen täglichen Apfel und eine Cola kaufe. Hier beginnt nun ein sehr steiler, steiniger Weg der mich nach ganz unten nach Poupehan führt. An der Brücke die hier die Semois überspannt mache ich eine wohlverdiente Pause nach diesem steilen Abstieg. Es ist überall das gleiche Bild, Kanus warten auf Kunden, die nicht kommen, trotz voller Campingplätze. Ein kleines Stück Strasse vor einem erneuten Kraftakt, ein Pfad, fast senkrecht, hier muss man sich schon wieder an jeder Wurzel, an jedem Ast festhalten, will man nicht runterfallen. Es ist nicht weit, vielleicht nur 50 Meter, die mich aber zu einer zweiten Pause zwingen. Nun kann es weitergehen nach Frahan, einem weiteren kleinen Dorf, vollständig in einer Schleife liegend. Genau vor einer Fussgängerbrücke mache ich Rast an einem Chalet in dem kleine Snacks angeboten werden, das mir gerade recht kommt. Etwas Entspannung kann ich jetzt gut gebrauchen. Es fängt sowieso wieder zu regnen an und auf der Terrasse sitze ich gut geschützt. Es regnet nicht in Strömen, nur soviel um den Tag zu vermiesen. Der Wirt schlägt mir vor nach Hautroche aufzusteigen, dann abwärts nach Alle zu laufen, anstatt den Fluss entlang, das würde mir eine Stunde ersparen, wegen des Regens. Recht hat er, und von hoch da oben kann ich einige aussergewöhnliche Fotos schiessen. Also dann, noch ein steiler Aufstieg, aber angenehm zu laufen über einen meist felsigen Untergrund. Dasselbe gilt für den Abstieg und tatsächlich, ich habe eine Stunde gewonnen. Irgendwo hier tritt die Semois in die Provinz Namur ein, ich sehe zwar kein Schild, ausser das dass die Provinz Luxemburg hier aufhört. In Alle-sur-Semois wechsle ich das Ufer über eine Brücke in Baustelle und komme nach Mouzaive wo ich erneut das Ufer wechsle, diesmal über eine Fussgängerbrücke. Mein Hotel liegt etwas abseits der Semois, etwa 4 Kilometer und die Strasse dorthin steigt schon wieder an, mein Gott, wenn ich weiter so aufsteige bin ich bald im Himmel. Ich denke dass ich auf diesem Weg fast immer nur aufwärts gegangen bin. Genug auf und ab, jetzt kommen wir zu den wichtigen Sachen, heute abend werde ich mich belohnen im Restaurant meines Hotels, das eine ausgezeichnete Küche bietet.

                                In einigen hundert Metern mündet die Semois (Semoy) in die Maas

12 August 2016

Von Vresse-sur-Semois (B) nach Monthermé (F) (29km)

Etwas Nebel in den Wäldern und gerade mal 15 Grad, ideal zum wandern. Der Abstieg zum hübschen Viertel "La Forêt" geschieht schnell. Einige Terrassen haben schon geöffnet und Touristen geniessen ihr Frühstück im Freien, erstaunlich zu dieser frühen Stunde. Schade dass ich bereits gefrühstückt habe. Diese Ortsmitte ist sehr attraktiv, ich muss jedoch weiter nach Membre wo die Membrette (ein Bach) in die Semois mündet. Hinter Membre steigt die Strasse wieder an nach Bohan, eine nur mittelmässig befahrene Srasse, leider aber auch von LKW's. Zwei Kilometer, dann kann ich die Strasse verlassen und einen steilen Weg nach unten bis Bohan nehmen. Bohan liegt prachtvoll im Semoistal. Die Brücke und die Kirche sind von weitem sichtbar, eine Bäckerei, ein Metzger, ein kleiner Supermarkt, einige Café-Restaurants und sogar Souvenirgeschäfte. Was mir aber vor allem auffällt, es sind sehr viele Leute hier für ein so kleines Dorf. Ist es die Nähe der Grenze ? Es gibt zahlreiche in Frankreich immatrikulierte Wagen. Scheinbar ist das Leben auf belgischer Seite etwas billiger. Ich überquere die Brücke über die Semois, biege in die « Rue de France » ein, und nach 2 Kilometern bin ich in Frankreich, in der Region « Champagne-Ardenne » im Département Ardennes (08). Während 3 Kilometern ist die Semois nun Grenzfluss bevor sie endgültig ganz zu Frankreich gehört. Erstes Dorf auf französischer Seite ist "Les Hautes Rivières ". Ein Radfahrer hält vor mir an und fragt ob ich Lust hätte mit ihm zusammen zu diskutieren. Das ist mir noch nie passiert, ich akzeptiere gerne. Er will wissen was ich hier tue, er wäre ebenfalls ein geübter Wanderer. Letztes Jahr ist er den Jakobsweg gelaufen bis nach Santiago de Compostella. Er schlägt mir vor die Hauptstrasse zu verlassen und statt dessen eine nagelneue Radpiste zu nehmen. Danke für diesen Ratschlag, der mir erlaubt ruhig über die Höhen des Dorfes zu laufen. Der Fluss hat nicht nur das Land gewechselt, nein er hat auch seinen Namen geändert. Die Semois heisst von nun an Semoy und fliesst weiter durch Nohan-sur-Semoy, Naux, dann Thilay und Tournavaux. Monthermé ist ganz nah jetzt und ich laufe weiter auf einer ebenfalls ganz neuen Radpiste bis zur Mündung in die Maas. Die Semoy fliesst nun in 2 verschiedenen Armen auf ihrem letzten Kilometer. Einem davon folge ich problemlos bis zur Mündung in die Maas auf der Höhe eines Campingplatzes. Der andere, der Hauptarm ist nicht zugänglich und ich muss die Maas überqueren um die Mündung von der anderen Seite aus zu begutachten. Ich finde es schade dass ein solch schöner Fluss so traurig endet, kein Schild, kein Zeichen, rein überhaupt nichts. Wenn ich mir die Quelle betrachte, die so wunderbar angelegt ist, kann ich nicht verstehen wie die Mündung so ganz ohne Wert zu sein scheint. Warum keine Informationstafel hier, vielleicht eine Ruhebank um über die Geburt und das Ende eines Flusses zu meditieren ? Ein allerletzter Gedanke an einen so wunderbaren Fluss ? Und warum nicht ein Mittel unseren Kindern etwas Geographie beizubringen !