Der Ausoniusweg

Der Ausoniusweg

Datum : 16 - 21 April 2019

Länge : 123 Kilometer

Anfang : Bingen (D) 49°57'57''N 07°53'47''O 118 m

Ende : Trier (D) Porta Nigra 49°45'34''N 06°38'38''O 141 m

Länder : Deutschland

Regionen : Rheinland-Pfalz

Erleben von Geschichte, das verspricht der Ausoniusweg der über den Hunsrück von Bingen nach Trier führt. Die « Via Ausonia », diente zur Römerzeit als Handelsweg und ist heute ein beliebter Wanderweg. Ausonius, römischer Dichter, hinterliess mit seinem Werk « Mosella » im Jahre 371 nach Christus eine detaillierte Beschreibung seiner Kutschfahrt von Bingen nach Trier.

16 April 2019

Von Bingen nach Rheinböllen

Ausgangspunkt in Bingen ist die Burg Klopp. Von hier hat man eine schöne Aussicht sowohl auf den Rhein als auch auf die Nahe, die hier in den Rhein mündet. Auf Burg Klopp sind die Fragmente römischer Meilensteine ausgestellt die 1977 in der Altstadt von Bingen in einer Baugrube gefunden wurden. Eine Inschrift gibt als Wegstrecke nach Trier 48 Leugen an, das sind in etwa 106 Kilometer. Nach etwa einem Kilometer überquere ich die Nahe auf der Drususbrücke, einer der ältesten Steinbrücken Europas. Von nun an geht es stramm bergauf und zwar nur bergauf. Erst ein schmaler Pfad mit querliegenden, umgefallenen Bäumen bis nach Weiler, hier lege ich eine erste Pause ein. Dann vorbei an der Kirche, später am Bergwerk "Grube Amalienhöhe". Hier steht ein Windpark, sowie an etlichen Stellen des Ausoniusweges. Wenn man so nah daran vorbei läuft erscheinen einem die Windräder gewaltig und ihr Platzverbrauch ist gigantisch. Hinweisschilder warnen davor, dass die Flügel im Winter Eis abwerfen können. Weiter geht es. Vorbei an der Lauschhütte an der viele Outdooraktivitäten stattfinden, scheinbar aber erst in ein paar Tagen, ab Ostern. Immer weiter bergan bis zum Ohligsberg, dem höchsten Punkt dieses Weges, ganze 609 Meter. Ich bin geschafft und lege eine längere Mittagspause ein, hier stehen Bänke und Tische, sogar eine Schutzhütte. Die Aussicht von hier oben ist grandios und ich genieße sie in vollen Zügen. Nach 16 Kilometern bergauf geht es jetzt wieder runter, nicht weniger anstrengend. Noch 8 Kilometer etwa bis Rheinböllen das ich über Dichtelbach erreiche. Ein wunderschöner Weg der dazu noch vorbildlich ausgeschildert ist. Etwas enttäuschend ist allerdings, dass ich während des gesamten Weges nichts Römisches gesehen habe, geschweige denn etwas über oder von Ausonius gelesen habe.

17 April 2019

Von Rheinböllen nach Kirchberg

Es hat geregnet heute Nacht aber es hört pünktlich nach dem Frühstück auf. So soll es auch sein! Zwar ist die Römerstrasse jetzt versaut aber immerhin, es regnet nicht. Es geht heute über Wiesen, Felder und Wälder. Der Weg verläuft fast immer schnurgerade und wenn ein Richtungswechsel bevorsteht dann meistens im 90 Gradwinkel. War sicher nicht einfach für die Römer, ihre Karren und Kutschen so abrupt um die Kurve zu hieven. Etwa ein Dutzend Rehe sehe ich heute, jedoch wenn der Photoapparat gezückt ist sind die Tiere über alle Berge. Vorbei am Schinderhannesturm in der Kreisstadt Simmern und weiter Richtung Kirchberg. Verlaufen tue ich mich zwar nicht, aber es gibt einige Ungereimtheiten bezüglich der Beschilderung, wahrscheinlich sind einige Wegweiser abhanden gekommen. Glücklicherweise habe ich meine Navigationsapp auf dem Handy. Hervorzuheben bleibt noch dass es recht viele Rastmöglichkeiten gibt an strategisch und optisch wichtigen Stellen. Kirchberg, meine Endstation für heute ist die älteste Stadt des Hunsrück. Ein sehr schöner und harmonischer Marktplatz mit Fachwerkhäusern wobei das Rathaus, das Heimathaus sowie die Apotheke besonders herausstechen. 

18 April 2019

Von Kirchberg nach Belginum

Kirchberg wirkt etwas verschlafen heute morgen, hier ist wenig los. Weiter geht es auf der Via Ausonia, genau wie gestern über Wiesen, Felder und durch Wälder. Im Gegensatz zu gestern und vorgestern gibt es heute jedoch so manche Überraschung betreffend der Geschichte des Ausonius. Ich laufe zeitweilig auf echten römischen Pflastern, inklusive Wagenspur. Auf Höhe von Dill gibt es die Ausoniushütte die zum Pausieren einlädt, eine Holzhütte mit großem Baumstumpf in der Mitte und Anleitungen zu römischen Spielen. Etwas weiter steht ein Römerturm. Die Nachbildung eines Wachturms wie sie entlang des Limes stehen. Man kann ihn besteigen, im 2ten Stock seine Runde drehen und sich wie ein waschechter römischer Legionär fühlen. Leider wurde der Innenraum von neuzeitlichen Schmierfinken verunziert, ihre zeitgenössiche "Kunst" wirkt gerade hier billig und abstossend. Der Weg schnurgerade mit den gewohnten 90 Gradkurven, ist keineswegs langweilig, es geht atemberaubend schön rauf und runter. Höchster Punkt 601 Meter. Am Archäologiepark Belginum mache ich Schluss für heute und besuche das Museum. Hier kann man vieles über die Römer erfahren. Beim Anblick all dieser Utensilien wird mir bewusst, dass wir es heutzutage noch nicht sehr viel weiter gebracht haben. 

19 April 2019

Von Belginum nach Gräfendhron

Karfreitag und sonniges Wetter von früh bis spät, besser geht es nicht. Die Römerstrasse verläuft weiterhin meistens immer geradeaus durch den Wald, den die Römer so fürchteten. Angenehmes Laufen, der Boden knochentrocken, das dürre Herbstlaub zerfällt unter meinen Füßen. Diese Geräuschkulisse vertreibt alle Tiere. Die Landschaft ist ziemlich spektakulär heute, tolle Panoramen öffnen sich mir und ich nutze jede Gelegenheit zu pausieren und zu staunen. Am Tonnkopf auf 500 m Höhe laufen Schafe wie von der Tarantel gestochen blöckend davon, es sind viele, sicher einige Hundert. Kein Hirte weit und breit, keine Hunde, keine Umzäunung, freies Ackerland. Und das Beste, nach 10 Minuten kehren alle wieder genau so lautstark zurück. Schön anzusehen. Nun führt der Weg etwas bergab nach Haag, einem niedlichen Dörfchen mit einer hübschen Kirche. Der Rest des Weges wird nun immer beschwerlicher, durch den Wald, manchmal steil hinab, viele heruntergefallene Äste säumen den Weg. Auf einem Teilstück ist nicht mal mehr ein Weg zwischen den Bäumen zu erkennen. Gut dass hier und da mal ein Wegweiserschildchen an einen Baum genagelt ist. Bevor ich Gräfendhron erreiche quert noch ein Reh meinen Weg. Gräfendhron liegt tief unten im Tal der Dhron, einem etwa 35 km langen Fluss der bei Neumagen-Dhron in die Mosel fliesst. Daher auch der Name Gräfendhron, ein schmuckes Dörflein mit einer ebenso hübschen Steinbrücke über den Fluss. Hier schlafe ich auch in einem Landgasthof.

20 April 2019

Von Gräfendhron nach Fell

Es wird ein schwerer Tag heute. Die Glocken sind ja bekanntlich nach Rom gepilgert, deshalb ist in Gräfendhron das halbe Dorf zum Klibbern auf den Beinen, groß und klein machen mit. Ein furchtbarer Radau durchdringt das Dorf das eingeschlossen im sonst so ruhigen Tal liegt. Sofort nach Verlassen des Landgasthofs geht es steil hinauf bis zum Dorf Berglicht. Die Landschaft ist wie immer spektakulär, doch die Beschilderung lässt zu wünschen übrig. An strategisch wichtigen Punkten fehlt sie gänzlich. Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los dass immer dort wo man nicht mit dem Auto hinkommt auch keine Schilder sind. Anders kann man sich das nicht erklären, es ist fast immer so. Mehrere Male muss mein GPS herhalten um den richtigen Pfad zu finden. Leute die nur mit Karte gehen sind aufgschmissen. Da drohen zusätzliche qualvolle Kilometer. Wenigstens ist das Wetter toll. Viel Wald und fast immer bergauf. Auf dem ganzen Weg habe ich noch nicht einen einzigen Wanderer mit Rucksack gesehen. Doch genau in diesem Moment kommt mir ein Leidensgenosse bergauf entgegen der mit denselben Problemen kämpft wie ich. Er bahnt sich, genau wie ich, seinen eigenen Weg durch den tiefen Wald. Ruhebänke finde ich heute auch keine. Schade eigentlich, gerade wegen der atemberaubenden Landschaften. Da ich in Fell keinen Schlafplatz gefunden habe will ich hier den Bus nach Trier-Ruwer nehmen, der mir genau jetzt vor der Nase wegfährt. Während ich nun 3 Stunden auf den Nächsten warten muss, habe ich genug Zeit diese Zeilen niederzuschreiben und somit etwas Luft abzulassen. Morgen wird alles besser !

21 April 2019

Von Fell nach Trier

Mit dem Taxi fahre ich zurück zu meinem gestrigen Etappenziel Fell. Dann geht es bei erneut gutem Wetter Serpentinen hoch wobei ich gleich 2 Rehe beim morgendlichen Aesen erschrecke. Oben angekommen werde ich mit einer prachtvollen Aussicht aufs Ruwertal belohnt. Hier gibt es überall Weinberge. Die Ruwerweine gehören zum Weinanbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer. Vorbei an einem riesigen Entsorgungszentrum Richtung Mertesdorf und Eitelsbach. Nicht mehr weit und ich befinde mich an der Stadtgrenze von Trier, genauer im Stadteil Ruwer. Hier mündet die Ruwer in die Mosel. Es bleiben noch 6 Kilometer bis Trier über eine verkehrsarme Strasse und durch ein Industriegebiet. Bald ist die Paulinskirche in Sicht und dann marschiere ich schnurgerade auf die Porta Nigra und die vielen anderen römischen Baudenkmäler zu, die allesamt zum UNESCO - Weltkulturerbe gehören. Hier endet der Ausoniusweg. Es liegt mir fern weiteres über Trier zu schreiben. Da gibt es nichts worüber nicht schon geschrieben worden wäre.