DIE MEURTHE

Die Meurthe

Die Meurthe entspringt nahe dem Col de la Schlucht, einem der meist Besuchten der Vogesen und speist zuerst einige kleine Weiher. Dann fliesst sie durch Plainfaing, Fraize, Saint-Dié-des-Vosges und Raon l'Etape im Département Vosges (88). Jetzt tritt der Fluss ins Département Meurthe et Moselle (54) ein, ihr weiterer Weg führt sie nach Baccarat, Lunéville, Saint-Nicolas-de-Port, dann Nancy. Kurz danach mündet sie auf der Höhe von Custines im « Gueule d'Enfer », deutsch « Höllenschnauze » in die Mosel.

Datum : 27 März bis 02 April 2017

Länge : 160 Kilometer

Quellhöhe : 1190 m

Quelle : Le Valtin (zwischen le Hohneck und Col de la Schlucht)

48°03'25"N 7°00'50"O

Mündungshöhe : 197 m

Mündung : Frouard, Pompey

48°16'51''N 6°08'30''O

Länder : Frankreich

27 März 2017

Von der Quelle nach Plainfaing

Die Quelle der Meurthe befindet sich genau an der Vogesenkammstrasse (Route des Crêtes), Irrtum ausgeschlossen, ein grosses Schild weist darauf hin. Es gibt noch einige Schneereste, was normal ist, die Quelle befindet sich immerhin auf 1.200 m ü.M. Auf den ersten Blick könnte man meinen der Berg würde weinen, an mehreren Stellen tritt Wasser aus die wie Tränen zu Tal fliessen. Etwas tiefer formiert sich das Flüsschen dann in einer waldreichen Umgebung und schlängelt durch grüne Wiesen und Wälder. Hier sind die Felsformationen und Steine mit dickem Moos bedeckt, was die permanente Feuchtigkeit in dieser schönen Vogesenlandschaft beweist. Ein Fuchs begrüsst mich neugierig, leider habe ich meinen Fotoapparat nicht bereit. Trotz eitel Sonnenschein ist es doch etwas frisch heute morgen. Nach etwa 3 Kilometern lasse ich einen extrem schönen Waldpfad hinter mir und begebe mich auf eine kleine Strasse mit wenig Verkehr in Richtung Le Valtin, kleine Gemeinde mit Skiliften-und Pisten ausgestattet. Im Ort genannt Le Rudlin mache ich eine erste Pause direkt am Ufer der Meurthe danach dreht der Fluss leicht nordwestlich ab in Richtung Plainfaing, ein Luftkurort preisgekrönt mit einer Blume. Eine Bonbonfabrik und ein Naturtheater liegen ebenfalls direkt am Fluss. Auf einer winzigen Bürgersteigterrasse nahe der Kirche nehme ich ein Kaffee zu mir, und warte auf meine Frau die mich nach dieser wunderschönen Etappe hier abholt. Das wird also unsere zweite Nacht in dem durchaus empfehlenswerten Gästehaus « Le Saut de la Truite » bei Rose-Marie und Serge, den äusserst sympathischen Besitzern.

28 März 2017

Von Plainfaing nach Saint-Dié-des-Vosges

Meine Frau fährt mich nach Plainfaing zur Kirche und ich mache da weiter wo ich gestern aufgehört hatte. Ein nagelneuer Fussgängerweg entlang des Flusses führt direkt nach Fraize, einem sehr angenehmen Dorf. Von Zeit zu Zeit kleine Fabriken, Schlossereien und hauptsächlich Schmieden. Hinter Fraize geht es über die ziemlich verkehrsreiche Strasse, die D415, viele LKW's bis nach Anould. Ich hätte einen Fussgängerweg nehmen können, leider habe ich ihn zu spät entdeckt. Bis nach Saint Léonard über Nebenstrassen dann Saulcy-sur-Meurthe, nichts Aussergewöhnliches zu berichten aber angenehm zu laufen.Die Sonne strahlt, kein Wölkchen trübt den Himmel, es ist für die Jahreszeit eigentlich zu warm, so um die 20 Grad. Ich beobachte kleine und grosse Fische im ziemlich niedrigen Wasser. Trotz der vielen Fische sehe ich keinen einzigen Graureiher, aber manchmal eine Ente. Sainte-Marguerite scheint mir eine aufstrebende moderne Stadt zu sein, neuer Sportkomplex sowie Gemeindehaus und vieles andere. Genau wie die Brücke über die Meurthe um nach Saint-Dié-des-Vosges zu gelangen, meinem heutigen Etappenziel. Mein Hotel befindet sich direkt an der Uferstrasse, am rechten Ufer am Quai Jeanne d'Arc. Nach dem Duschen bin ich bereit für die Stadt. Saint Dié hat etwa 20.000 Einwohner und ist Distriktshauptstadt des Départements Vosges (88). Die Meurthe, sonst entfesselt und wild wird hier arg gebremst und in ein Betonbett gezwungen. Mehrere Brücken überspannen den nun beruhigten Fluss. Oberflächliche Besichtigung der Kathedrale Sankt Dié und der Kirche Sankt Martin bevor ich die 115 Stufen des modernen Freiheitsturms aus Metall empor steige. Weisser Turm aus Metall, sehr beeindruckend aber ich sehe nicht wofür er gut sein sollte, es sei denn um die Aussicht zu geniessen. Im Restaurant Saint Martin, genau neben der gleichnamigen Kirche lasse ich mir einen Vogesensalat wohl schmecken bevor ich zu Bett gehe nach 23 Kilometern in den Waden und den zusätzlichen 115 Stufen. Ein recht gelungener Tag neigt sich dem Ende zu.

29 März 2017

Von Saint-Dié-des-Vosges nach Raon l'Etape

Ein Fussgängerweg führt zunächst aus der Stadt, rechts von mir die Meurthe, links eine gewaltiges Gewerbegebiet mit den gleichen Marken und Namen wie fast überall auf dem Globus. Bald muss ich das Ufer wechseln, von nun an geht es am rechten Ufer entlang. Auch wenn der Fluss nie weit weg ist, ist er nicht mehr zu sehen, während längerer Zeit gibt es keinen Zugang zum Fluss mehr. Eine Industriezone auf meiner Linken, eine unattraktive Nebenstrasse auf meiner Rechten darüberhinaus parallel zur Nebenstrasse die sehr stark frequentierte Schnellstrasse bis zum nächsten Dorf La Pêcherie. Nun gibt es zwar keine Industriezone mehr aber die Schnellstrasse verläuft weiterhin Seite an Seite mit meiner Nebenstrasse durch die Ortschaften Le Villé, Lavoivre und La Hollande, ja,ja, so heisst das Dorf. Im Namen des Konsumenten und des Gewerbes hat die Schnellstrasse mit ihren LKW's dem friedlichen Wanderer rücksichslos alles genommen, hier macht das Wandern keinen Spass. Ich hätte auch das andere Ufer nehmen können, aber diese Alternative wäre kaum besser gewesen. In Étival-Clairfontaine angekommen entspannt sich die ärgerliche Situation etwas, die Meurthe ist wieder da. Es ist Markttag, wenn man das so nennen kann, vier, fünf Stände, nicht mehr, das muss man doch unterstützen. Ich leiste mir ein Sandwich und vertilge es im Schatten der Klosterkirche auf einer Bank des Klostergartens. Interressant dass hier jemand mittelalterliche, längst vergessene Pflanzen kultiviert. Wer kennt sie nicht, die berühmten Schulhefte der Marke Clairfontaine. Die werden genau hier hergestellt, Produktionsanlagen über mehrere Hunderte Meter. Genau vor Saint Blaise mündet der Rabodeau, ein Fluss der von Osten herkommt in die Meurthe, natürlich nicht ohne eine andere Industriezone durchflossen zu haben. Hinter Saint Blaise gewinne ich etwas an Höhe, laufe an einem Campingplatz vorbei und erreiche etwas später Raon l'Etape, mein Etappenziel für heute. Raon l'Etape ist Distrikshauptort und zählt 6.500 Einwohner. La Plaine, ein anderer Fluss der vom Donon herkommt mündet hier in die Meurthe.

30 März 2017

Von Raon l'Étape nach Lunéville

Beim Verlassen des Städtchens am linken Ufer habe ich die Gelegenheit dem Zusammenfluss von Plaine und Meurthe zu sehen. Die Meurthe verabschiedet sich jetzt mit 2 verschiedenen Armen vom Département des Vosges und tritt ein in's Département Meurthe et Moselle (54). Beide Arme vereinen sich nach einem guten Kilometer wieder. Im ersten Dorf, in Thiaville gibt es einen Bahnhof, den man zwar suchen muss sonst findet man ihn nicht. Ich habe ihn gefunden weil ich nach dem Fluss gesucht habe, der hatte sich nämlich auch hinter dem Bahnhof versteckt. Ich laufe weiter nach Lachapelle auf einer ruhigen Strasse durch den Wald, ein sehr angenehmes Stück Weg. Man sieht den Fluss nur sporadisch, weil er weitab von Strassen und Wegen mäandert. Eigentlich passiert gar nichts bis Deneuvre, dann Baccarat. Kantonshauptort, etwa 4.500 Einwohner leben in der Stadt, die weltbekannt für ihre Kristallarbeiten ist. Ich nehme einen Zug für die nächsten 10 Kilometer, erstens weil es nur sehr wenige Punkte gibt wo man sich dem Fluss annähern kann und zweitens wegen Zimmermangels , die Etappe wäre zu lang gewesen und hätte meine Lust und Willen gesprengt. Eine einfache Fahrkarte bis Saint Clément für 3,20€. Als ich aussteige ist es fast Mittag. Ich kaufe mir ein Sandwich in der einzigen Bäckerei des Dorfes und laufe weiter Richtung Lunéville, ein eintöniger Weg, immer geradeaus. Es ist warm, 22 Grad, zu warm für die Jahreszeit und das noch während 12 Kilometern. Unterwegs komme ich an einem von einem Auto überfahrenen Dachsen vorbei, so möchte ich nicht enden. Ich betrete Lunéville in einem Stadtteil mit vielen Sozialwohnungen und, wer hätte es gedacht, einem weiteren Gewerbegebiet mit allen bekannten Marken. Bevor ich ins Hotel gehe, geniesse ich eine Cola auf einer Terrasse auf dem Leopoldplatz. Nach einer guten Dusche fühle ich mich bereit für die Stadt die soviel zu geben hat. Wunderschöne Gebäude zum Fotographieren ohne Ende. Die Stadt ist hauptsächlich bekannt wegen ihres wundervollen Schlosses das auch noch den Spitznamen « Lothringisches Versailles » trägt. 20.000 Einwohner sind stolz auf ihre Stadt, die Unterpräfektur sowie Distriktshauptstadt ist. Ich verzichte darauf all die wichtigen Gebäude aufzuzählen über die schon so viel geschrieben und sogar Fernsehsendungen gemacht wurden. Ausserdem würde das meine Kompotenzen bei weitem überschreiten, zumindest was die geschichtlichen angeht. In Lunéville erfunden wurde der « baba au rhum », ein mit Rum übergossenes Gebäck, und dies von der Köchin von Herzog Stanislas. Die Flüsse betreffend spielt eher die Vezouze die Hauptrolle in Lunéville, sie fliesst längs des Schlosses während die Meurthe eher südlich der Stadt fliesst. Die beiden vereinigen sich am Ende der Stadt. Nach dem Duschen bin ich noch sieben Kilometer durch die Stadt gerannt, auch wegen seines beeindruckenden « Parc des Bosquets » der alleine schon 1 Kilometer lang ist. Zusammen 28 Kilometer in den Waden zuzüglich die 10 Kilometer im Zug.

31 März 2017

Von Lunéville nach Saint-Nicolas-de-Port

Während ich aus der Stadt rauslaufe bemerke ich, dass es eigentlich nur um das Schloss herum perfekt sauber ist, während alle anderen Stadtteile es nicht sind. Überall Hundehaufen und nicht die Neuesten. Es gibt sogar ein Warnschild vor einer Schule, eine Privatinitiative, ganz sicher, aber es zeigt das Problem auf. Da wir schon über Sauberkeit reden, überall in der Natur sieht man Abfälle, aber hier in dieser Gegend scheint es schlimmer zu sein als anderswo. Für eine kurze Zeit gehe ich noch an der Vezouze entlang bevor sie in die Meurthe mündet, und zwar genau unter der Schnellstrasse wo das Wasser turbulent die Betonpfeiler umfliesst. Die Meurthe ist wieder zurück und ich laufe an ihr entlang bis zum wunderschön gelegenen Schloss Adoménil, Hotel der Kategorie « Relais & Châteaux ». Die kleine Strasse geht in einen Grasweg über der aufwärts in einen Wald führt um anschliessend wieder hinab nach Mont-sur-Meurthe, einem friedlichen Dörfchen vor Blainville-sur-l'Eau führt. Meine erste Pause mache ich am Ufer des Flusses. Eine Brücke überquerend gehe ich am rechten Ufer weiter, aber nur während einem Kilometer dann kehre ich wieder über die gewaltige Bowstringbrücke in Damelevières ans linke Ufer zurück. Jetzt kommt ein Stück von 6 Kilometern, immer geradeaus auf einer Gottseidank nur mässig befahrenen Hauptstrasse. Einzige Ablenkung, die Salinen entlang der Strecke bis nach Rosières-aux-Salines. Die kleine Stadt mit einigen alten Gebäuden, der ihr Wachturm « Ban-Ban » genannt, 1721 erbaut, diente zugleich als Wachturm, zur Verteidigung, als Gefängnis und als Uhrwerk. Ich kaufe mir ein Sandwich und geniesse es auf dem Kirchenvorplatz vor dem Petersbrunnen. Jetzt geht es weiter auf einem angenehmen Graspfad entlang der Meurthe bis nach Dombasle-sur-Meurthe wo ich auf den Marne-Rheinkanal stosse. Diese Region ist sehr stark industrialisiert, hier dreht sich alles um das Salz und die Chemie. Noch 2 Kilometer schnurgeradeaus bis nach Varangéville, noch eine Stadt die im Rhythmus von Salz, Schiffen und Zügen lebt. Eine ausschliesslich den Fussgängern vorbehaltene Metallbrücke überquert den Kanal auf Höhe des Bahnhofs. Jetzt nur noch die Meurthe überqueren und schon habe ich Saint-Nicolas-de-Port erreicht. Von weitem sichtbar die imposante Basilika Saint Nicolas, leider zwischen die Häuser gepflanzt. Kein Kirchplatz an dem man auf einer schönen Terrasse etwas Erfrischendes hätte trinken können. Schade, denn es ist wieder sehr warm heute. Ich begebe mich sofort in mein Hotel wo ich mich nach 28 Kilometern in den Beinen für morgen ausruhen werde.

01 April 2017

Von Saint-Nicolas-de-Port nach Nancy

Mein Hotel befindet sich am Ende der Stadt, gestern war das ein Nachteil, heute jedoch von Vorteil um diese Stadt die mir nicht gefällt schnellstens zu verlassen. Bereits nach einigen hundert Metern erreiche ich die Meurthe. Ich laufe an ihr entlang bis nach Phlin wo der Fluss nach rechts abbiegt und ich nach links. Weil es hier keine Brücke gibt laufe ich erneut am Marne-Rheinkanal entlang bis nach Laneuveville-devant-Nancy wo eine Schleife der Meurthe bis zum Kanal zurückkommt um sofort wieder wegzudrehen. An einer Schleuse nehme ich einen Treidelweg und befinde mich jetzt dauernd zwischen dem Kanal und der Meurthe. Am Depot für Busse und Tramzüge vorbei bin ich wieder ausschliesslich an der Meurthe. Überall sind jetzt Kanuten, Einer, Vierermannschaften, die sich anscheinend auf einen wichtigen sportlichen Wettbewerb vorbereiten. Auf Höhe des Stadions vom Fussballerstligisten A.S.Nancy-Lorraine beende ich meinen Weg für heute um den wunderschönen Stanislasplatz zu besichtigen und anschliessend ins Hotel zu gehen. Ich kannte diesen berühmten Platz schon, aber abends, beleuchtet ist das etwas ganz anderes. Das ist schon einen Umweg wert, was sage ich, es ist eine Reise wert. Was ich aber bis jetzt noch nicht wusste, ist dass es in der Rue des Maréchaux, einer Nebenstrasse des Platzes in jedem Haus ein Restaurant gibt, eines besser als das andere. Man hat hier die Qual der Wahl.

02 April 2017

Von Nancy nach Custines

Gegen halb acht breche ich zu meiner letzten Etappe auf. Es ist Sonntag, kein Mensch weit und breit in den Strassen von Nancy , um so besser. Zum letzten Mal gehe ich über den Marne-Rheinkanal hinweg um zur Meurthe zu gelangen. Einzige Lebewesen am Ufer sind Schwäne und Enten. Einige sind nicht begeistert über meine Anwesenheit und bezeugen dies lauthals. Das Wasser ist glatt wie ein Spiegel heute früh, was eher selten ist für die Meurthe. Maxéville am linken Ufer und Malzéville am rechten Ufer sind die letzten Ortschaften von Gross-Nancy. Ein angenehm zu laufender Fahrrad und Fussgängerweg führt direkt an der Bierbrauerei von Champigneules vorbei. Mehr als 3 Millionen Hektoliter von diesem Gebräu verlassen die Brauerei jedes Jahr, da kann man sich schon vollaufen lassen. Im Aussenbereich warten etliche Tausend Flaschen, fein säuberlich verpackt und mit Plastikfolie umgeben, auf ihren Einsatz. Etwas weiter nach einer grossen Schleife des Flusses, liegt am anderen Ufer Bouxières-aux-Dames. Hinter dem Deichweg trete ich ein in die « Gueule d'Enfer », übersetzt etwa Höllenschnauze, wo die Meurthe in die Mosel mündet. Nun überquere ich noch die Mosel nach Pompey und noch eine andere Brücke nach Custines am rechten Ufer der  Mosel wo ich vom Empfangskomitee aus Frau und Sohn erwartet werde.