Die Kyll

Die Kyll

Die 128 Kilometer lange Kyll nimmt ihren Ursprung in Losheimergraben nahe der Grenze zu Belgien. Eine andere Quelle, nämlich die der Our ist kaum 300 Meter von hier entfernt. Der Fluss tut seine ersten Schritte in Nordrheinwestfalen und geht dann nach Rheinland-Pfalz. Der Verlauf der Kyll geht durch die Stauanlage von Kronenburg und fliesst weiter durch die Städte Stadtkyll, Gerolstein, Kyllburg und Trier. Auf Höhe des Hafens von Trier-Ehrang mündet die Kyll in die Mosel.

Datum : 16-20 Juli 2017

Länge : 128 Kilometer

Quellhöhe : 660 m        50°22'47'' N 6°20'39'' O

Quelle : Losheimergraben (D)

Mündungshöhe : 123 m

Mündung : Trier (D)        49°48'13''N 6°42'07'' O

Länder : Deutschland

Regionen : Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

                                                   Im Keller dieses Hotels befindet sich eine der 3 Quellen

16 Juli 2017

Von Losheimergraben nach Stadtkyll

3 Quellen auf belgischer Seite vereinigen sich auf deutscher Seite und bilden die "richtige" Quelle der Kyll auf einer Höhe von fast 700 Meter. Eine der drei befindet sich im Keller des Hotels in dem ich die Nacht verbracht habe und die Chefin hatte mir erlaubt sie zu fotografieren. Es hat geregnet in der Nacht und alles ist nass. Die Quelle, die « richtige » liegt genau tief unten am Strassenrand der B 265, eigentlich eine stark befahrene Strasse, aber es ist Sonntag, daher nur wenige Autos. Gleich am Anfang begehe ich einen Fehler, ich schlage die falsche Richtung ein und finde den richtigen Weg nicht. Ich mache allerdings höchstens einen Kilometer Umweg. Ich finde nun einen anderen Weg, ohne Verkehr und bald bin ich in Frauenkron, wo ich die Kyll zum ersten Mal erblicke. Sehr bescheiden noch, weniger als einen Meter breit aber dafür eingebettet in einer malerischen Landschaft. Grüne, bewaldete Hügel mit vorwitzigen Kühen die die Ruhe und Frische geniessen. Die Kyll beginnt ihren Weg in Nordrhein-Westfalen, fliesst kurz nach Rheinland-Pfalz, kehrt in Frauenkron noch mal nach Nordrhein-Westfalen zurück, fliesst wiederum nach Rheinland-Pfalz, da wo die Kyll eine Kurve nach Süden macht bis zum Kronenburgersee. Erneut geht es nach Nordrhein-Westfalen, ach wie kompliziert ist das alles. Der Kronenburgsee ist in Wirklichkeit ein Wasserrückhaltebecken das die Region vor Hochwasser der Kyll schützt. Der See hat eine Fläche von 27 Hektar und wurde erbaut von 1973 bis 1979. Am Ende des Staudamms, da wo die Kyll den See wieder verlässt, gebändigt und reguliert, befindet sich das Dorf Kronenburg. Hoch über dem Dorf befindet sich der mittelalterliche Teil, der schon einen Ausflug wert ist. Nun finde ich auch endlich die Fahrradpiste, den « Kyllradweg », der auf der ehemaligen Eisenbahnstrecke, der « Vennerquerbahn » angelegt wurde. Bald darauf tritt die Kyll dann auch definitiv nach Rheinland-Pfalz ein und seine erste Stadt ist Stadtkyll. Kleine Stadt mit etwa 1500 Einwohnern, animiert durch einige Restaurants. Hier beende ich auch meine heutige Etappe.

17 Juli 2017

Von Stadtkyll nach Gerolstein

Um acht Uhr verlasse ich mein Hotel, das sehr nahe an der Radpiste liegt. Weil es noch recht früh ist bin ich dann auch alleine auf der Piste. Ich wandere nach Niederkyll, dann Glaadt und Jünkerath, ein hübsches Dorf. Zwischen beiden Dörfern durchquere ich ein Gewerbegebiet, wo sich, dümmer gehts fast nicht, EDEKA, ALDI, LIDL und Co treffen. In Jünkerath ersetzt ein nagelneuer Bahnhof den Alten. Was die Kyll betrifft, ist sie immer noch ein mageres Bächlein, versteckt von der Vegetation. Oft tragen Wege ganz stolz den Namen eines Flusses, wie in diesem Fall, den « Kyllradweg », was aber absolut keine Garantie dafür ist dass der Fluss ständig im Blickfeld ist. Nächste Dörfer sind Gönnersdorf, Lissendorf dann Birgel und seine sehr interessante Mühle mit verschiedenen Ausrichtungen, Museum, Restaurant-und Cafébetrieb, usw. Ich sehe mir nur alles von aussen an. Nun folgt ein sehr schöner Landschaftszug, grün und ruhig. Das Kylltal ist hier sehr ausgedehnt. Die erloschenen Vulkane stechen aus der Landschaft hervor. In Bolsdorf gibt es eine niedliche, hübsche Kirche, die man besichtigen kann um bei dieser Hitze die kühle Frische der Frische im Innern zu geniessen. In Dohm überquere ich die Kyll und wandere am rechten Ufer weiter nach Bewingen. Hinter einem grossen Waldstück bin ich bald in Pelm. Jetzt ist es nicht mehr weit nach Gerolstein, der berühmten Wasserstadt. Zuerst muss ich aber noch an einem Eisenbahndepot vorbei, wo ich übrigens auch 2 Güterwagen der luxemburgischen Eisenbahnen bemerke, unter vielen anderen, hauptsächlich solche die nur noch als Museumsstücke taugen. In Gerolstein hat man keine Kosten und Mühen gescheut um die Kyll in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Mitten im Stadtzentrum hat man vieles zum Erscheinungsbild des Flusses beigetragen und Ruhezonen rund ums Wasser geschaffen, die der Stadt ihren Stempel aufdrücken. In der Fussgängerzone genehmige ich mir einen Kaffee bevor ich weiterwandere zu meinem Hotel, das sich leider 2 Kilometer ausserhalb befindet. Keine 5 Minuten vom Hotel gibt es noch den Schauerbachstausee, den ich mir noch vor dem Abendessen ansehe. Etwas weiter hinter dem Stausee läuft der gleichnamige Bach (Schauerbach) unten in Gerolstein in die Kyll.

18 Juli 2017

Von Gerolstein nach Kyllburg

Ich verlasse das Hotel sehr früh, weil man wieder einen sehr heissen Tag angekündigt hat und 25 Kilometer vor mir liegen. Ich setze meinen Weg auf der Radpiste dort fort wo ich sie gestern verlassen habe. Ich lasse Gerolstein hinter mir und auch Lissingen am rechten Ufer. Bald darauf ein Orientierungspunkt in der Landschaft, ein Pavillon, das der « Lindenquelle », an der jedermann sein Wasser gratis abzapfen kann. Das Pavillon ist denkmalgeschützt. Weiter geht es nach Birresborn, einem weiteren Wasserdorf. Ein schmuckes Dorf mit einer grossen Kirche, die Sankt Nikolauskirche. Birresborn ist ausserdem anerkannter Luftkurort. Das nächste Dorf, Mürlenbach ist eine echte Überraschung, sehr schön gelegen am Kyllufer und mit einer schönen Brücke die den Fluss überspannt. Hauptattraktion ist aber die « Bertradaburg ». Diese Burg ist nach einer Urgrossmutter von Karl dem Grossen benannt, Bertrada. Die Burg ist von weitem zu sehen mit ihren beiden Türmen. Danach folgen 2 friedliche Dörfer, Densborn dann Usch-Zendscheid in einer grün bewaldeten Umgebung. Ich muss nun die Fahrradpiste für einen Moment verlassen bis nach Sankt Thomas wo ein total renoviertes Kloster gleichen Namens thront. Noch einen kleinen Kraftaufwand bis nach Kyllburg. Kurz zuvor aber geht es noch durch einen Tunnel, 181 Meter lang. Der Tunnel dient der Eisenbahn, den Radfahrern und Fussgängern gleichzeitig. Es tut auch gut ein kleines Stückchen im Schatten des Tunnels zu gehen in dieser schrecklichen Hitze. Die Kyll ist inzwischen zu einem Fluss angewachsen der auch den Namen verdient. Mein Hotel « Eifeler Hof » ist ein grosses Gebäude, Kaiser Wilhelm war schon hier...und ich auch heute. Das Dorf, oder besser gesagt, die zweitkleinste Stadt aus Rheinland-Pfalz sieht aus wie eine tote Stadt, fast alles ist geschlossen, ausser einer Pizzeria, es ist ein normaler Dienstag, ich verstehe das nicht. Einige Geschäfte haben auch für immer zu, leere und verdreckte Fenster laden nicht gerade zum Verweilen ein. Sogar mein Hotel, erst vor einigen Jahren mit Millionen renoviert worden, zeigt sich nicht gerade von seiner besten Seite. Ob das wohl gutgeht ?

19 Juli 2017

Von Kyllburg nach Speicher

Es ist wiederum heiss heute und es wird noch heisser. Um Kyllburg zu verlassen muss man während einem guten Kilometer eine 13 % steigende Strasse nach Wilsecker meistern, gottseidank mit wenig Autoverkehr. Oben angekommen hat man eine herrliche Aussicht auf das Kylltal. Bin aber auch schweissgebadet, als wenn ich nicht erst vor einer Stunde eine erfrischende Dusche genommen hätte. Hier gibt es eine Legende, die vom Konerter Gespennst : Ein grosser schwarzer Hund treibt sein Unwesen auf den Wegen von Kyllburg nach Wilsecker und versetzt zu später Stunde Heimkehrende in Angst und Schrecken. Er hat 12 Beine, Augen so gross wie Eier und Haare so rauh und lang wie ein Ziegenbock. Der Wanderer kann das Gespenst bannen indem er das Kreuzzeichen über ihn macht und ruft : « Bist du von Gott, so gehe zu Gott, bist du vom Teufel, so gehe zum Teufel ! ». Die Strasse führt weiter unter einer riesigen Brücke (Autobahn A60) hindurch und dann kann ich bald wieder den Radweg nehmen. In Erdorf helfe ich am Bahnhof einem jungen spanischen Paar Fahrkarten zu kaufen, nach Köln, dann Hamburg, sie sind mit Rucksack unterwegs nach Norwegen. Nicht so einfach damit den Automaten zu füttern. Ich schlage ihnen vor erstmal ein Ticket bis Köln zu kaufen und sich dann dort im Fahrkartenschalter zu informieren. Es wird heisser und heisser, habe aber das Glück öfters im Schatten der Bäume zu wandern. Von Hüttingen nach Phillipsheim führt der Weg kilometerweit parallel zur Bahn. Die Kyll verändert ihr Erscheinungsbild ständig, mal kommt sie als Fluss daher, mal wieder als grosser Bach. Von Phillipsheim nach Speicher ist die Landschaft besonders schön und irgendwo am Ufer der Kyll verschlinge ich meinen Apfel. Es gibt sehr viele Fische in der Kyll, jedoch sehe ich nie einen Angler. Vielleicht weil es nicht genügend Zugänge für Autos gibt. Hier sind Radwege wichtiger als Strassen, gut so ! Ich habe 2 Nächte in Kyllburg gebucht, also nehme ich jetzt hier in Speicher den Zug um ins Hotel zurück zu fahren. Ich habe in dieser Gegend keine Schlafgelegenheit gefunden. Morgen komme ich wieder hierher mit dem Zug um meine Wanderung an der Kyll zu beenden.

20 Juli 2017

Von Speicher nach Trier-Ehrang

Nach einer gewittrigen und regnerischen Nacht sind die Temperaturen etwas erträglicher. Es hört im richtigen Moment zu regnen auf als ich losziehe. Die letzte Etappe an der Kyll beginne ich im Zug um dort weiter zu machen wo gestern Schluss war. Im Prinzip bleibt die Landschaft dieselbe, mein Weg, d.h. die Radpiste, die Eisenbahn und der Fluss, nur die Reihenfolge ändert sich manchmal. Die durchquerten Dörfer sind Auw an der Kyll, Daufenbach und Deimlinger Mühle. Grösstes Dorf ist Kordel, schön an der Kyll gelegen, ideal um noch einige Fotos zu schiessen. Der Fluss sieht hier auch aus wie ein richtiger Fluss während anderswo die Kyll wieder nur wie ein Bach aussieht. Das Wasser ist öfters nur stehend und es fehlt gänzlich an Leben. Auserdem versteckt sich die Kyll hinter üppiger Vegetation. Am rechten Ufer, auf einem bewaldeten Hügel die Ruinen der « Burg Ramstein », etwas später ein Wasserkraftwerk, das waren schon die Highlights des Tages. Ehrang, eine Vorstadt von Trier mit einem grossen Verschiebebahnhof und einem Hafen an der Mosel ist die letzte Stadt vor der Mündung. Jetzt muss ich nur noch eine grosse Wiese überqueren um zu sehen wo die Kyll in die Mosel mündet. Wie so oft bin ich enttäuscht, einen so langen Weg gemacht zu haben um schlussendlich fast nichts zu sehen. So als hätte die Kyll diese lange Reise umsonst gemacht, gottseidank aber in einer wunderschönen Landschaft durch die Vulkaneifel.