DIE KORN

Die Korn

Die Korn entspringt in Oberkorn in der Gemeinde Differdingen im Grossherzogtum Luxemburg. Nach einem kurzen Ausflug nach Belgien tritt sie nach Lothringen (Frankreich) ein und durchquert die Departements von Meurthe-et-Moselle, der Meuse (Maas) und Ardennes um bei Remilly-Aillicourt, nach 127 Kilometern in die Maas zu münden.

Datum : August 2015

Länge : 127 Kilometer

Quellhöhe : 380 m

Quelle : Oberkorn (Gemeinde Differdingen)

49°30'11''N    5°53'49''O

Mündungshöhe : 154 m

Mündung : Remilly-Aillicourt

49°39'29''N    4°59'39''O

Länder : Luxemburg, Belgien, Frankreich

01 August 2015

Von der Quelle nach Longuich (Longwy)

Die Quelle der Korn befindet sich in Oberkorn (Gemeinde Differdingen) in einer abschüssigen Wiese am Waldrand auf einer Höhe von 380 m. Ein schön angelegter Pick-Nick Platz im Schatten des Waldes und eine Tafel mit einigen Erklärungen. Beispielhaft ! Eine angenehme Umgebung, man kann sich überhaupt nicht vorstellen dass unweit von hier die Schwerindustrie einst den Wohlstand des Grossherzogtums geschaffen hat. Die Freude ist nur von kurzer Dauer, denn schon nach knapp 500 Metern verschwindet die Korn unter der Ortschaft Oberkorn. Nach 800 Metern erscheint sie wieder an der Oberfläche in einem neu angelegtem Park in einer genau so neuen Urbanisation. Dieser Park, 500 Meter lang trägt den Namen des Flusses, Kornpark, und ist so etwas wie die grüne Lunge der ehemals stark industrialisierten Stadt Differdingen. Auf ein Neues verschwindet der Fluss in der Unterwelt, diesmal für 3 Kilometer ungefähr. Die Korn verläuft hier unter dem Territorium des Stahlriesen « Arcelor Mittal ». Ob man hier wohl etwas zu verstecken hat, frage ich mich ? Unnötig weiterzugehen, Wanderer sind hier nicht willkommen, schon allein aus Sicherheitsgründen. Sicherheit geht vor, und eine grosse Umleitung ist unumgänglich, erst am Ende der Industrieanlagen erscheint der Fluss wieder an der Oberfläche. Nicht etwa dass man die Korn jetzt sehen würde, verdeckt durch dichtes Gestrüpp setzt sie ihren Weg fort, vorbei am Stadion des Progrès Niederkorn (bekannter Fussballverein in Luxemburg).

Etwas vor dem grossen Kreisverkehr « Bif », zwischen Bascharage und Petingen wird die Korn dann endlich frei gelassen und ein schöner Fahrradweg begleitet nun den Fluss.

Ab jetzt schnattern überall Enten die sich anscheinend wohl fühlen in dem Wasser das ehemals stark verschmutzt war durch die Schwerindustrie die im ganzen Südwesten Luxemburgs zu Hause war. Die Korn fliesst nun gemächlich nördlich von Petingen an einem Fischteich vorbei und hinter dem Fussballfeld übertritt der Fluss die Grenze nach Belgien. In der kleinen Stadt Athus mündet die Messancy in die Korn, eine sehr schöne und seltene Situation. Die beiden Flüsse laufen während 200 Metern parallel nebeneinander und enden mit einem kleinen Wasserfall. Nun muss ich auf die Nationalstrasse die nach Longuich (Longwy) führt, eine von LKW's und PKW's stark befahrene Hauptverkehrsader. Ich befinde mich jetzt in einer grossen Industriezone, dem « Pôle européen de développement », zu deutsch in etwa (Europäischer Entwicklungspol) die sich am Dreiländereck Frankreich, Belgien und Luxemburg befindet. Schwer zu sagen in welchem Land man gerade ist, es ist nicht immer offensichtlich. Bald kommt ein Ortsschild « Mont Saint Martin », nun bin ich mir sicher, ich bin in Frankreich. Das Departement Meurthe et Moselle (54), hat hier eine riesige Geschäftszone aus dem Boden gestampft, alle grosse Namen sind hier vertreten. Schnell verlasse ich diese wandererfeindliche Strasse und setze meinen Weg fort nach Longlaville.

Gleich hinterm Dorf verschwindet die Korn abermals in der Unterwelt und man sieht sie nicht wieder bis auf Höhe des Bahnhofes von Longuich (Longwy). Es ist Markttag und viele Menschen in dieser Stadt die sich in den letzten Jahren sehr verändert hat. Die meisten Leute sind arabischer Herkunft und das zeigt sich auch an den Marktständen. Bekannt ist Longuich (Longwy) aber auch noch wegen seiner Vaubanbefestigungen, Weltkulturerbe der UNESCO.

Von der einstigen Schwerindustrie gibt es so gut wie keine Spuren mehr. Ausserdem ist Longuich (Longwy) noch bekannt für seine wunderschönen Emailarbeiten.

03 August 2015

Von Longuich (Longwy) nach Longuyon

Die Wetterdienste sagen 33 Grad voraus für heute, also gehören zur Vorbereitung eine kurze Hose, Sonnencreme, 2 grosse Flaschen Wasser und los geht's. Um 7 Uhr nehme ich den Zug nach Rodingen und steige um nach Longuich (Longwy). Ich mache genau da weiter wo ich vor 2 Tagen aufgehört hatte, hinter dem Bahnhof auf der Höhe vom Friedhof. Die Schlachthausstrasse runter nach Réhon und dann einen Graspfad entlang der Korn. Im Dorfzentrum biege ich nach Lexy ab wo einige kleinere Fabriken den Weg säumen. Auf Höhe einer Rohrfabrik setze ich meinen Weg fort der schlussendlich im Nichts endet. Ich bin gezwungen Kehrtwende zu machen, was mich etwa 4 Kilometer kostet. Als geprüfter Wanderer nehme ich das gelassen hin, das macht mir gar nichts, sch...nein...verfluchte Sch...nein, ich werde ruhig bleiben.

Ich gehe also doch nach Lexy hoch, etwas abseits der Korn. Im Schatten einer Kirche mache ich eine erste Pause. Ein Dorf mit Charakter, Cons-la-Grandville besitzt ein Renaissanceschloss aus dem 18ten Jahrhundert und darüber hinaus auch noch einen Hochofen aus der Eisenindustrie des 19ten Jahrhunderts, als historisches Monument klassiert. Das Korntal zeigt sich nun von seiner grünen Seite, Felder, Wiesen und Wälder wechseln sich ab. Komisch, es sind keine Enten weit und breit, Fische jedoch zu Hauf, was beweist dass sich die Qualität des Wassers stark verbessert hat. Die beiden nächsten Dörfer heissen Montigny-sur-Chiers und Viviers-sur-Chiers. Hier genehmige ich mir eine zweite Pause im wohltuenden Schatten eines alten Waschbrunnens. Es sind noch 5 Kilometer bis Longuyon und das Laufen wird zusehends beschwerlicher unter der glühenden Sonne. Als ich in Longuyon bei sengender Hitze ankomme bietet sich mir ein schönes Bild. Eine schöne mit Fahnen und Blumen geschmückte Brücke verbindet beide Ufer am Zusammenfluss der Crusnes und der Korn. Die Kleinstadt hat noch andere Vorzüge, wie etwa das Gemeindehaus, die Höhle der Jungfrau und die Agathakirche aus dem 13ten Jahrhundert. Ausserdem haben kanadische Natotruppen bei ihrem Abzug 1967 ein Indianertotem hinterlassen, einzigartig in Frankreich.

Das Hotel das mich erwartet ist das einzige zur Verfügung stehende in der ganzen Region, deswegen werde ich hier 3 Nächte verbringen. Was überhaupt kein Problem ist, denn der sehr sympatische Besitzer hat mir vorgeschlagen mich dahin abholen zu kommen wo ich aufhöre und mich anderntags wieder dorthin zurückzubringen um weiter zu gehen. Eine absolut lobenswerte und menschliche Initiative, vielen herzlichen Dank !

04 August 2015

Von Longuyon nach Montmédy

Es ist 7 Uhr, es regnet, Pelerine, Schirm und los gehts. Ich habe nicht gefrühstückt, denn das Hotel öffnet nicht so früh. Problemlos verlasse ich die kleine Stadt und im nächsten Dorf, in Colmey habe ich die Möglichkeit mich einige Minuten unterzustellen. Hier gibt es nichts zu sehen, also wandere ich weiter nach Villette und dann nach Charency-Vezin, wo ein kleiner Zirkus Halt macht und ich ein paar Fotos von den Tieren machen kann. Ein Ehepaar gestattet mir von ihrem Garten aus den Wasserfall zu bewundern, oder besser gesagt, ihren Wasserfall, denn niemand der am Haus vorbei geht kann ihn sehen, was für ein glücklicher Zufall ! Das einzige Bistrot im Dorf ist...geschlossen. Es regnet jetzt etwas weniger und die vorhergesagten Gewitter bleiben glücklicherweise aus. Ich wandere beruhigt weiter und zwischendurch wechsele ich mal einfach so das Departement. Ich befinde mich nun im Departement Meuse (Maas) und das erste Dorf heisst Velosnes. Während einem kurzen Moment bildet die Korn die Grenze zu Belgien. Nach einer langen Steigung und am Ende des Waldes ist Montmédy in Sicht mit seiner Zitadelle. Das letzte Dorf vor Montmédy ist Villécloye und hier ist der Zusammenfluss zwischen dem Othain (auch ein schöner Fluss) und der Korn. Genau im Moment wo ich in Montmédy ankomme, fängt es wieder an zu regnen, Starkregen sozusagen. Glücklicherweise kann ich mich unter die riesigen Bäume auf den deutschen Soldatenfriedhof retten. Die Stadt Montmédy ist praktisch tot. Kein einziges Hotel, wenige Restaurants oder Cafés, Schwertransporte fahren durchs Stadtzentrum. Einige wenige Touristen, in der Hauptsache Holländer, parken auf dem grossen Parkplatz vor der Gemeinde und wenn sie merken dass es hier eigentlich nichts zu sehen gibt, fahren sie wieder weg. Vielleicht ist es besser in der Oberstadt an der Zitadelle sage ich mir. Ich habe die Schnauze voll und rufe den Chef meines Hotels an damit er mich abholen kommt. Während der Rückfahrt schlägt der Hotelbesitzer mir vor das belgische Dorf Torgny zu besuchen. Ein Dorf mit Weinbergen, einziges Weinbaugebiet Belgiens mit einem Mikroklima. Ausserdem glaubt man sich in der Provence, sogar Orchideen wachsen hier in freier Natur. Vielen Dank für diesen zusätzlichen und unverhofften Ausflug. Wir verabreden uns für morgen früh viertel vor acht zwecks Rückfahrt nach Montmédy, wo ich gedenke meine zweitletzte Etappe fortzusetzen nach Carignan. 

                                                                          Chauvency-Le-Château

05 August 2015

Von Montmédy nach Carignan

Wie versprochen, um viertel vor acht, ohne Frühstück, fährt mich der Hotelbesitzer nach Montmédy und entlässt mich dort wo ich gestern aufgehört hatte. Ich umrunde den Hügel mit der Zitadelle südwestlich und wandere weiter nach Chauvency-le-Château. Ich verzichte auf einige kleine Schleifen der Korn, weil absolut kein Weg dorthinführt. Ich begehe alsdann eine Hauptverkehrsader, jedoch mit wenig Verkehr, von Zeit zu Zeit ein LKW, aber die hört man von weitem. Langsam aber sicher nimmt die Korn flusswürdige Masse an. Das nächste Dorf heisst Chauvency-Saint-Hubert und ist nur 2 km weit weg, eine sehr schöne Brücke über die Korn, das ist aber auch schon alles. Bis nach Lamouilly ist es richtig ländlich, eine Postkartenidylle, Agrargegend, Bauern sind am Heu einholen. In Lamouilly mache ich eine Pause im Schatten einer « Bow-string » Brücke direkt an der Korn. Weiter gehts nach Olizy-sur-Chiers dann La Ferté-sur-Chiers, erstes Dorf im Departement Ardennes (08), ein friedliches Dorf mit romantischen Ecken, einem grossem Wasserfall und einem Kanuverleih sowie blumengeschmückten Häuser. Nun geht es bergauf bis zum Fort de Villy, einem Teil an der Maginotlinie an dem viele Soldaten den Tod gefunden haben.

Etwas weiter, hinter dem Hügel, das Blumendorf Villy, hier gibt es eine grosse Dichte an sehr schönen Häusern, eines schöner als das andere. Ich wandere weiter nach Blagny wo die Korn während 2 Kilometern ehemalige Industriebauten längt, was nicht gerade schön ist, aber gottseidank ist das Ganze hinter hohen Bäumen versteckt. Bis Carignan sind es nur noch 2 Kilometer und von unterwegs rufe ich meinen « chauffeur »an, damit er mich abholen kommt, sie erinnern sich, ich habe ein Zimmer für drei Tage weil es sonst nirgendwo etwas gibt. Ich kann mich nur beloben über diese Initiative des Hotelbesitzers, Respekt ! Die Kleinstadt Carignan ist eigentlich ganz nett, ein Bahnhof, schöne Kirche, ein ebenso schönes Gemeindehaus. Und nicht zuletzt... die Korn, sicher, man muss sie etwas suchen um sie zu finden. 30 Grad im Schatten und 35 Kilometer in den Waden, ich hab genug für heute.

06 August 2015

Von Carignan nach Sedan

Es ist etwas kompliziert heute, ich erkläre mich. Um viertel vor acht werde ich abgeholt vom Hotelbesitzer und seinem Freund, einem Arzt im Ruhestand aus Maizières-Lès-Metz um mich nach Carignan zu bringen. Aber nicht sofort, zuallererst ein Kaffee, danach fahren wir in die Bäckerei des Sohnes vom Hotelbesitzer Baguettes abholen...fürs Hotel. Dort müssen wir aber auch noch eine andere Lieferung irgend eines kleinen Supermarktes abwarten mit einigen Lebensmitteln. Jetzt gehts aber auf nach Carignan. Gegen neun Uhr verabschiede ich mich von den Beiden, aber nicht ohne mich gebührend zu bedanken beim Chef des Hotels für seine lobenswerte Initiative. Meine ersten Schritte führen mich auf die viel befahrene Strasse nach Sedan. Aber nicht lange, ich nehme einen Grasweg in Richtung Tétaigne, was die Korn betrifft, sie mäandert immer noch vor sich hin und fliesst fast unbemerkt von Schleife zu Schleife. Auch wenn der Lauf des Flusses nicht besonders spektakulär ist, die Landschaft schon. Kühe grasen und viele Bauern gehen ihren Arbeiten auf den Feldern nach. Der Traktorenlärm ist fast unerträglich. Im nächsten Dorf Brévilly biege ich in eine kleine ruhige Strasse ein die mich direkt nach Douzy führt. In dieser Kleinstadt hätte ich gerne eine eisgekühlte Cola auf einer Terrasse getrunken, aber die 3 Bars auf dem schönen Platz vor der ebenso schönen Kirche sind allesamt geschlossen. Ich begnüge mich also damit eine Pause am Ufer der Korn zu machen und mein lauwarmes Wasser zu trinken. Douzy ist das letzte Dorf an der Korn und bis zum Zusammenfluss mit der Maas sind es nur noch 5 Kilometer. Es gibt keinen Weg, keinen Pfad der zur Mündung führt. Ich gehe nun an einem Kanal der Maas entlang, auf Höhe der Mündung, ich kann sie nur vermuten, so hoch ist die Vegetation ringsherum. Ich kann sie also nicht sehen über den Maaskanal hinweg. Sie ist irgendwo dort drüben. Schade, 127 Kilometer um schlussendlich die Mündung nicht zu sehen, was ja eigentlich der Zweck meiner Wanderung war, ist schon etwas frustrierend. Unter der sengenden Hitze gehe ich weiter am Maaskanal entlang auf einer funkelnagelneuen Fahrradpiste die noch nicht einmal für den Verkehr freigegeben ist. In Sedan beendige ich meine Reise die mir im grossen Ganzen sehr gut gefallen hat. Ich gehe nur noch zum Hotel im Stadtzentrum das meine Allerliebste schon im Vorfeld gebucht hatte, sie nimmt mich selbstverständlich nach einer Nacht in dieser schönen Stadt wieder mit nach Hause.